{"id":46,"date":"2015-10-28T00:02:08","date_gmt":"2015-10-27T23:02:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.antitecture.org\/freiraum\/?p=46"},"modified":"2016-02-02T22:25:49","modified_gmt":"2016-02-02T21:25:49","slug":"frei-raum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.antitecture.org\/freiraum\/?p=46","title":{"rendered":"Frei : Raum (MG)"},"content":{"rendered":"<p><em>Freiraum<\/em>? Beinhaltet der Begriff nicht etwas Gegens\u00e4tzliches in seiner Wortbedeutung? Raum ist etwas, was uns umgibt. Er ist messbar und grenzt ein. Wir sind in ihm enthalten. Das Freie bedeutet Uneingeschr\u00e4nktheit; Freiheit zur Entwicklung und Entfaltung der Identit\u00e4t. Was geschieht, wenn man beide Aspekte kombiniert? Kann es einen Raum dieser Uneingeschr\u00e4nktheit geben? Einen entgrenzten Raum? Oder ist es ein definierter Raum, dessen Begrenzung freie Entfaltung erlaubt?<\/p>\n<p><em>Freiraum<\/em> kann somit also ein Raum sein, der sich zu allen Seiten \u00f6ffnet, der weder einen definierten Anfang, noch ein Ende hat, dessen Grenzen \u00fcberwindbar sind. Ein Raum, der Handlungsspielraum zul\u00e4sst, der den Nutzer zur Initiative zwingt. Es kann aber auch ein Raum sein, der physische Grenzen stellt, psychische Grenzen jedoch nicht. Denn selbst wenn er in seiner Form und Anordnung vorbestimmt ist, k\u00f6nnen trotzdem unbestimmte, sich \u00e4ndernde, freie Nutzungen entstehen.<\/p>\n<p>Der<em> Freiraum<\/em> nimmt einen Platz im Stadtraum ein und hinterl\u00e4sst Luft, einen Puffer, eine L\u00fccke. Es ist ein unbebauter, unbesetzter Raum zwischen H\u00e4usern und Stra\u00dfen. Er zeigt sich in unterschiedlichen Ma\u00dfst\u00e4ben. Dabei kann der Raum zuf\u00e4llig, unbeabsichtigt entstehen oder vergessen sein und brachliegen. Leer w\u00fcrde ich diese Fl\u00e4chen nicht beschreiben. Denn trotzdem charakterisieren sie sich \u00fcber bestimmte Sinneswahrnehmungen und ergeben einen beschreibbaren Ort. Sie scheinen im ersten Moment bezugslos zu sein, als unsichtbare Zwischenr\u00e4ume &#8211; als unber\u00fchrte Fl\u00e4chen, die der gestalteten, kontrollierten Umwelt entgegenstehen. Doch jene sind charakteristisch wertvoll. Jeder dieser Orte tr\u00e4gt eine Geschichte, wird von Individuum zu Individuum unterschiedlich wahrgenommen, unterschiedlich damit umgegangen. Es \u00fcberlagern sich verschiedene Thematiken. Sie sind Teil des Stadtbildes. Mut zur L\u00fccke.<\/p>\n<p><strong>Mut zur Vielf\u00e4ltigkeit.<\/strong><\/p>\n<p>Es sind also vielleicht die \u00dcberlagerungen, die Gegens\u00e4tze, die den <em>Freiraum<\/em> definieren, die ihn erst interessant machen. Er kann diese m\u00f6glicherweise miteinander vereinen. Das Sch\u00f6ne und das H\u00e4ssliche. Das Leichte und das Schwere. Das Aufger\u00e4umte und das Ungeordnete. Das Doppeldeutige, das Leben selbst. Kurz: er l\u00e4sst M\u00f6glichkeit zum Eigenleben.<\/p>\n<p>Auch l\u00e4sst er dem Individuum die M\u00f6glichkeit, selbst aktiv zu werden und Teil davon zu werden. Denn ein <em>Freiraum<\/em> ist auch die Freiheit, sich einen Raum anzueignen, sei es einen \u00f6ffentlichen Raum oder einen privaten Raum, sei es einen Au\u00dfen- oder Innenraum, sei es f\u00fcr tempor\u00e4re Nutzung oder f\u00fcr l\u00e4ngerfristige Nutzung. Es ist die Freiheit, die \u201eBlase\u201c, die sich um das Individuum legt und sich in einigen Momenten vergr\u00f6\u00dfert, in anderen verkleinert, gedanklich oder materiell zu markieren. Er setzt durch sein aktives Handeln ein Zeichen, bewusst oder unbewusst, und erh\u00e4lt im Gegenzug ein neues Gef\u00fchl. Es bedeutet die Ausweitung der pers\u00f6nlichen Blase und kann das Gef\u00fchl der Rebellion gegen die Eingeschr\u00e4nktheit sein,<\/p>\n<p><strong>bewusst oder unbewusst<\/strong>.<\/p>\n<p>Ein Gef\u00fchl des <em>Freiraums<\/em>. Nicht fassbar. Wahrnehmbar. Etwas, das die Grenzen des Raumes \u00fcbersteigt, aus dessen ausbricht und in der n\u00e4chsten Sekunde wieder verschwindet. Gleichsam des Schein des Lichtes, der \u00fcber allem herrscht und wieder versiegt. Licht st\u00f6\u00dft von au\u00dfen nach innen vor, schmiegt sich an die Zimmerw\u00e4nde und f\u00fcllt den Raum mit W\u00e4rme und einem Spiel aus hellen und dunklen Nuancen, einem Gef\u00fchl der Geborgenheit und Freiheit. Das Licht verwischt die Differenzen Au\u00dfen-Innen und stellt einen Bezug der beiden her. Es schafft Vielfarbigkeit und einen bunten Wechsel von Eindr\u00fccken. Licht und Schatten. Ein Gegensatz.<\/p>\n<p><strong>Das eine ohne das andere.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00a9 <em>Marie Gr\u00fctzner<\/em><\/p>\n<p>PS: Das Bild ist letztes Jahr w\u00e4hrend einer SummerSchool in S\u00fcdafrika entstanden. Wir sind als &#8222;flying classroom&#8220; von Ort zu Ort gegangen und haben uns mit Klapptischen und Boxen einen eigenen Raum geschaffen. Zum Kommunizieren, Diskutieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiraum? Beinhaltet der Begriff nicht etwas Gegens\u00e4tzliches in seiner Wortbedeutung? Raum ist etwas, was uns umgibt. Er ist messbar und grenzt ein. Wir sind in ihm enthalten. Das Freie bedeutet Uneingeschr\u00e4nktheit; Freiheit zur Entwicklung und Entfaltung der Identit\u00e4t. 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