{"id":88,"date":"2015-10-30T21:01:48","date_gmt":"2015-10-30T20:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.antitecture.org\/freiraum\/?p=88"},"modified":"2016-01-28T17:51:38","modified_gmt":"2016-01-28T16:51:38","slug":"frei-raum-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.antitecture.org\/freiraum\/?p=88","title":{"rendered":"Frei. Raum. (RB)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.antitecture.org\/freiraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/die-kunst-und-der-raum.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-101\" src=\"http:\/\/www.antitecture.org\/freiraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/die-kunst-und-der-raum-215x300.jpg\" alt=\"die kunst und der raum\" width=\"215\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.antitecture.org\/freiraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/die-kunst-und-der-raum-215x300.jpg 215w, http:\/\/www.antitecture.org\/freiraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/die-kunst-und-der-raum-220x308.jpg 220w, http:\/\/www.antitecture.org\/freiraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/die-kunst-und-der-raum.jpg 477w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><\/a><\/p>\n<h1>Frei. Raum.<\/h1>\n<p>Frei und Raum. Beide Begriffe verschleiern ihre Bedeutung. Ihre Vereinigung potenziert die Verschleierung in einer Subjektivit\u00e4t die jede eindeutige Definition hinf\u00e4llig macht. Deshalb versuche ich mich an Martin Heideggers Essay zu \u201eDie Kunst und der Raum\u201c nachzugehen um den Freiraum zu verstehen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Laut Heidegger geschieht das Gestalten im Abgrenzen als Ein- und Ausgrenzen von Raum. Er fragt ob das Besetzen von Raum durch eine Plastik die Besitzergreifung des Raumes ist und ob dies die technisch wissenschaftliche Eroberung des Raumes ist? Weiter fragt er ob der Raum derselbe bleibt, wenn man ihn auf k\u00fcnstlerische und auf technische Weise zu definieren versucht?<\/p>\n<p><em>Genauso k\u00f6nnte man sich die Frage stellen ob eine Nutzung einen Raum besetzen kann und dies dann auch die technisch wissenschaftliche Eroberung des Raums w\u00e4re? Wie w\u00fcrde man den Raum dann definieren?<\/em><\/p>\n<p>Weiter liefert Heidegger eine Annahme f\u00fcr den technischen Raum: \u201eDer Raum &#8211; \u00a0der nach seiner technischen Bestimmung jenes gleichf\u00f6rmige, an keiner der m\u00f6glichen Stellen ausgezeichnete, nach jeder Richtung hin gleichwertige, aber sinnlich nicht wahrnehmbare Auseinander ist?\u201c<\/p>\n<p><em>F\u00fcr mich verstehe ich das so: Raum ist immer und \u00fcberall da. Er hat keine Begrenzung. Er ist wie ein Koordinatensystem das gef\u00fcllt werden kann. Heidegger beschreibt ein Kr\u00e4ftemessen zwischen Raum und Mensch, die sich gegenseitig bezwingen wollen. <\/em><\/p>\n<p>\u201eDer Raum &#8211; der inzwischen in steigendem Ma\u00dfe immer hartn\u00e4ckiger den modernen Menschen zu seiner letzten Beherrschbarkeit herausfordert.\u201c<\/p>\n<p><em>Ist dann der Versuch eine Definition f\u00fcr einen Freiraums zu finden der Versuch den Raum beherrschbar zu machen? Ihm eine Nutzung aufzuzw\u00e4ngen?<\/em><\/p>\n<p>\u201eIst dieser physikalisch- technische Raum der einzig wahre Raum und sind k\u00fcnstlerische, gef\u00fcgte und allt\u00e4gliche R\u00e4ume nur subjektive bedingte Vorformen des objektiven kosmischen Raums?\u201c stellt Heidegger weiter in Frage. Unentschieden bleibt nach Heidegger auch, auf welche Weise der Raum ist und ob ihm \u00fcberhaupt ein sein zugesprochen werden kann.<\/p>\n<p><em>Gibt es nur den einen definierten mathematischen Raum? Oder gibt es auch noch andere R\u00e4ume die sich nicht klar bestimmen lassen?<\/em><\/p>\n<p>Nach Goethe herrscht eine menschliche Angst vor dem Raum, denn hinter dem Raum, so scheint es, gibt es nichts mehr worauf er zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann. Vor ihm gibt es kein ausweichen zu anderem. Das dem Raum Eigent\u00fcmliche muss sich von ihm selbst her zeigen.<\/p>\n<p><em>Was Raum ist, kann nur durch seine Eigenschaften erkl\u00e4rt werden. Diese Eigenschaften zeigen sich laut Heidegger wie folgt: <\/em><\/p>\n<p>\u201eDer Raum &#8211; der innerhalb plastischer Gebilde wie ein vorhandener Gegenstand vorgefunden werden kann\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Raum &#8211; den die Volumen der Figur umschlie\u00dfen\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Raum &#8211; der als Leere zwischen den Volumen besteht\u201c<\/p>\n<p><em>Sind diese drei R\u00e4ume nur Abk\u00f6mmlinge des physikalisch- technischen Raumes?<\/em><\/p>\n<p><em>F\u00fchren diese Eigenschaften wieder zu der Erkenntnis, dass es nur den einen physikalischen Raum gibt? Wie findet man das Eigent\u00fcmliche des Raums? Laut Heidegger h\u00e4lt die Sprache als einen Notweg, einen letzten Strohhalm an dem man sich halten kann bereit sich dem Eigent\u00fcmlichen des Raumes zu n\u00e4hern. So sagt er \u00fcber das R\u00e4umen:<\/em><\/p>\n<p>\u201eDas R\u00e4umen bedeutet roden, die Wildnis <strong>freimachen<\/strong>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas R\u00e4umen &#8211; erbringt <strong>das Freie, das Offene<\/strong> f\u00fcr ein Siedeln und Wohnen des Menschen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas R\u00e4umen &#8211; in sein Eigenes gedacht, <strong>Freigabe von Orten<\/strong>, an denen Schicksale des wohnenden Menschen sich ins Heile einer Heimat oder ins Unheil der Heimatlosigkeit oder gar in die Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber beider kehren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas R\u00e4umen &#8211; ist Freigabe der Orte an denen ein Gott erscheint, an denen das Erscheinen des G\u00f6ttlichen lange z\u00f6gert.\u201c<\/p>\n<p>\u201e<strong>Das R\u00e4umen &#8211; \u00a0ist die Freigabe von Orten. R\u00e4umen ist ein Geschehen<\/strong>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas R\u00e4umen &#8211; als einr\u00e4umen und einrichten.\u201c<\/p>\n<p><em>Ist also ein \u201eger\u00e4umter\u201c Ort der Freiraum?\u00a0 Oder muss man weiter fragen was bedeutet denn r\u00e4umen? Der Philosoph hat diese Frage wie folgt behandelt:<\/em><\/p>\n<p>\u201eDas Einr\u00e4umen &#8211; \u00a0gibt etwas zu. Es l\u00e4sst <strong>Offenes walten<\/strong> das unter anderem das Erscheinen anwesender Dinge zul\u00e4sst an die menschliches wohnen sich verwiesen sieht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas Einr\u00e4umen &#8211; \u00a0bereitet den <strong>Dingen die M\u00f6glichkeit<\/strong> an ihr jeweiliges Wohin und aus diesem her zueinander zu geh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas Einr\u00e4umen &#8211; \u00a0geschieht die Gew\u00e4hrnis von Orten. Der Ort \u00f6ffnet jeweils eine Gegend indem er die die Dinge auf das <strong>Zusammengeh\u00f6ren<\/strong> in Ihr versammelt.\u201c<\/p>\n<p><em>Sind Orte also erst und nur das Ergebnis und die Folge des Einr\u00e4umens?<br \/>\nSind die Dinge selbst die Orte und nicht nur die, die an einen Ort geh\u00f6ren?<\/em><\/p>\n<p><strong>\u201eOrt befindet sich nicht im vorgegebenen Raum<\/strong>, dieser entfaltet sich erst durch das walten von orten einer Gegend. Die Plastik nicht mehr die Besitzergreifung von Raum sondern die Auseinandersetzung mit ihm. Die Plastik als Verk\u00f6rperung des Ortes. <strong>Die Leere des Raums ist kein Mangel, sondern ist mit dem eigent\u00fcmlichen des Orts verschwistert und darum kein fehlen sondern ein hervorbringen. Die Leere ist nicht nichts. Leere stiftet Orte.\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em>Was ist nun der Freiraum? Ist es ein Volumen? Eine Sph\u00e4re die allgegenw\u00e4rtig ist? Oder bilden die Dinge selbst erst den Raum? Oder ist der Freiraum ein Raum der einfach nur selbst Frei von all diesen Anspr\u00fcchen ist die an ihn gestellt werden. Ein Raum der nicht bespielt wird, ein Raum an dem sich keiner gerne Aufh\u00e4lt und seine Pers\u00f6nlichkeit entfaltet? Ist der Freiraum vielleicht einfach nur ein freier Raum? Der Raum selbst, der sich von Konventionen und Erwartungen l\u00f6st ein wahrer Freiraum?<\/em><\/p>\n<p>Raphaela Buchberger (Stuttgart 10\/2015)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Martin Heidegger, Die Kunst und der Raum, erkerverlag st. Gallen, 1969, 3. Auflage 1996<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frei. Raum. Frei und Raum. Beide Begriffe verschleiern ihre Bedeutung. Ihre Vereinigung potenziert die Verschleierung in einer Subjektivit\u00e4t die jede eindeutige Definition hinf\u00e4llig macht. 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